Mayers Paradeschlag: die Rückhand, am liebsten eingesprungen.
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Warum gaben Sie Ihr Comeback bei den Deutscher Meisterschaften Ende 2008?
Ich wollte im Januar 2009 wieder auf die richtige Tour zurück und brauchte vorher echte Matches. Nach acht Monaten ohne Wettkampf ist es schwierig, sich in einem Match zurechtzufinden. Nur durch Matches lernt man die Dimensionen eines Tennisplatzes richtig kennen. Und dafür war dieses Turnier optimal, ich wurde ja sogar Deutscher Meister.
Wie wurde dann Ihr Comeback auf der ATP-Tour von den Profikollegen wahrgenommen?
Die wollen nicht gegen mich spielen.
Warum nicht?
Weil sie merken, dass ich extrem heiß bin auf Siege. Früher war ich ein willkommenes Opfer. Je länger das Match dauerte, desto größer waren die Chancen, dass mir mein Spiel wegbrach. Jetzt müssen sich die Gegner richtig reinhängen, um mich zu schlagen. Ich schenke nichts mehr ab.
Das wurde bei den Australian Open 2010 in der ersten Runde deutlich, als Sie gegen Philipp Petzschner 0:6, 2:6 zurücklagen ...
... und dann gewann ich noch in fünf Sätzen. Ja, so etwas meine ich. Gut möglich, dass der alte Florian Mayer so eine Partie einfach hätte laufen lassen.
Haben Sie Ihr Spiel umgestellt?
Ich habe extrem viel Vorhand trainiert. Die ist jetzt genauso gut wie meine Rückhand. Ich habe auch die verspielten Elemente reduziert, die vielen Stoppbälle zum Beispiel. Es geht darum, konsequent zu spielen. Ich muss auf die Bälle drauf gehen – wie die anderen auch.
Ist es nicht ratsam, manchmal eben nicht so zu spielen wie alle anderen?
Variationen sind immer gut. Aber ich darf es damit nicht übertreiben – so wie früher.
Sie sind jetzt zurück in den Top 50. Wie unterscheidet sich dieser Aufstieg von Ihrem ersten im Jahr 2004?
Damals ging alles viel zu schnell für mich. Ich kam ins Wimbledon-Viertelfinale, spielte mich ins Davis Cup-Team und zu den Olympischen Spielen von Athen – in nur wenigen Monaten. Von null auf 100 im Zeitraffer. Plötzlich sollte ich der neue Boris Becker werden. Das wollte ich nicht. Ich wusste nicht, was mit mir geschah. Ich erinnere mich noch, wie ich 2004 nach dem Erfolg in Wimbledon zum Turnier nach Stuttgart kam. Es kamen so viele Menschen auf mich zu, jeder wollte etwas von mir, alle zerrten an mir, Autogramme da, Fotos hier – das war zu viel für mich. Ich war diesem Rummel nicht gewachsen.
Dachten Sie damals, dass Ihnen der Aufstieg bis auf Platz 33 in der Weltrangliste vergleichsweise leicht fiel?
Ja. Und genau das ist auch die Gefahr. Man schwebt auf einer Wolke, fühlt sich ganz toll. Dabei kommt das Schwierige erst noch. Das Jahr nach dem Aufstieg ist die eigentliche Prüfung. Dann kennt dich jeder Konkurrent da draußen. Es wurde immer komplizierter, die Gegner zu überraschen.
Sie wirkten in dieser Phase Ihrer Karriere oft lethargisch und träge auf dem Platz.
Ich bin keiner, der seine Emotionen in der Öffentlichkeit präsentiert. Im Vergleich zu anderen war ich eher zu brav und zu nett. Das war ein Problem, weil ich mich von Gegnern einschüchtern ließ, die eine große Show abzogen und nicht fair dabei waren. Mittlerweile kann ich besser Kontra geben. Ich ziehe nicht mehr den Schwanz ein, nur weil mein Gegner ein paar Sprüche reißt.
Wie gehen Sie jetzt damit um, wenn der Rummel um Sie wieder größer wird?
Ich habe gelernt, das zu akzeptieren. Es wird nicht so weit kommen, dass ich es genießen kann, im Rampenlicht zu stehen. Aber ich weiß, dass es Teil meines gut bezahlten Berufs ist. Jetzt hilft mir auch mein Management im Umgang mit den Medien. 2004 stand ich ziemlich alleine da.
Wie ist der neue Florian Mayer?
Er ist besser als früher, körperlich fitter und wird mindestens unter die ersten 30 der Weltrangliste kommen. Vor allem ist er gefestigter als früher. Der neue Florian Mayer wird nicht mehr in ein Loch fallen, nur weil er ein paar Matches verloren hat.
Und privat?
Bin ich eher ein häuslicher Typ. Ich wohne in einer 90-Quadratmeter-Wohnung, fünf Minuten von der FORMAXX-TennisBase entfernt, meiner Trainingsstätte. Ich liege abends gerne in Ruhe auf der Couch, wenn ich den ganzen Tag trainiert habe.
Achten Sie nun darauf, genügend Ablenkung vom Tennis zu haben?
Während meiner Pause wurde mir klar: Auch wenn Tennis das Wichtigste ist und ich zu hundert Prozent dafür lebe – ich brauche andere Dinge, mit denen ich mich beschäftigen kann. Vielleicht beginne ich bald, eine neue Sprache zu lernen.
Das Interview führte Tim Böseler